Lehrgang

Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung

Die Arbeitsgemeinschaft Psychoanalytische Pädagogik (APP-Wien) bildet seit 1991 psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterInnen aus. Mit dieser Ausbildung reagiert die APP-Wien auf den hohen gesellschaftlichen Bedarf an Unterstützung, Orientierung und fachlicher Begleitung von Eltern und professionellen PädagogInnen. Gleichzeitig bietet sie einschlägig vorgebildeten Studierenden – insbesondere mehrsprachigen – eine praxisnahe postgraduale Höherqualifizierung.

Ein zentrales Anliegen der APP-Wien ist es, der kulturellen Vielfalt in Österreich gerecht zu werden. Die Ausbildung bereitet darauf vor, Familien aus unterschiedlichen Herkunftsländern sensibel, kompetent und nachhaltig zu beraten. Interkultureller Austausch und gemeinsame Reflexion fließen bewusst in den Lehrgang ein und tragen zur laufenden Weiterentwicklung des Beratungskonzepts bei.

Die psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung versteht sich als Praxisfeld angewandter Psychoanalyse. Ausgehend von einem psychoanalytischen Verständnis innerer und zwischenmenschlicher seelischer Prozesse lernen die TeilnehmerInnen, Eltern und professionelle PädagogInnen im Umgang mit Kindern zu begleiten und zu stärken.

Die Beratung ist „pädagogisch“, weil sie sich konsequent an den Entwicklungsinteressen des Kindes orientiert – etwa im Sinne von Anna Freud, Erik H. Erikson oder D. W. Winnicott. Ziel ist es, tragfähige Beziehungen zu gestalten und Entwicklung zu unterstützen, nicht Symptome zu behandeln.

Grundlage der Ausbildung ist das von Helmuth Figdor entwickelte „Wiener Konzept“ der psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatung. Es zeichnet sich durch ein klares methodisches Vorgehen aus. Im Beratungsprozess vermitteln die BeraterInnen pädagogische Haltungen und Orientierungen so, dass Eltern, ErzieherInnen und PädagogInnen diese nicht nur verstehen, sondern auch annehmen und im Alltag umsetzen können. Auf diese Weise wird tatsächliche Veränderung im erzieherischen Handeln möglich.

Psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterInnen arbeiten nicht psychotherapeutisch. Dennoch kann ihre Tätigkeit zu tiefgreifenden Veränderungen innerer Haltungen führen, die bei Kindern mitunter Effekte haben, wie man sie aus der Psychotherapie kennt.

Inhalte des Lehrgangs

  • Der Lehrgang findet in einer geschlossenen Gruppe mit maximal zwölf TeilnehmerInnen statt und umfasst:
  • Theoriekurs inklusive Entwicklungspsychologie
  • Literaturseminar
  • Rorschachkurs
  • Infant-Observation
  • Praktische Übungen und Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen (abhängig von den individuellen Vorerfahrungen)
  • Methodische Supervision
  • Balintgruppe
  • Einzelsupervision
  • Lehrberatung

Dauer und Ablauf

Die TeilnehmerInnen bestimmen die Dauer des Lehrgangs weitgehend selbst. Die Tätigkeit „in Ausbildung unter Supervision“ (i.A.u.S.) kann ab dem 4. Semester beantragt werden. Das endgültige Zertifikat kann nach acht Semestern erworben werden. Die maximale Studiendauer beträgt 14 Semester; innerhalb dieses Zeitraums sollen alle Module abgeschlossen und die Abschlussarbeit approbiert sein.

Supervision und Selbsterfahrung

Methodische Supervision

Spätestens nach Abschluss des Theoriekurses richtet die APP-Wien eine fixe Supervisionsgruppe ein. Diese trifft sich 14-tägig. Die Teilnahme ist über zwei Semester verpflichtend, danach freiwillig.

Balintgruppe (Gegenübertragungs-Supervision)

Parallel oder spätestens nach den zwei Pflichtsemestern methodischer Supervision ist die Teilnahme an einer Balintgruppe für mindestens zwei Semester verpflichtend. Auch hier findet alle 14 Tage eine Gruppeneinheit statt.

Einzelsupervision

Die Einzelsupervision von mindestens zwei Erziehungsberatungsfällen ist verpflichtend. Einer dieser Fälle wird schriftlich dokumentiert und bildet die Grundlage der Abschlussarbeit.

Vorträge, Gruppen, Seminare

  • Zusätzlich übernehmen die KandidatInnen unter Supervision:
  • mindestens zwei öffentliche Vorträge
  • die Mitarbeit als Co-LeiterIn in einer Erziehungsberatungsgruppe oder einem Workshop
  • die Leitung einer Erziehungsberatungsgruppe
  • die Leitung eines Fortbildungsseminars
  • Psychoanalytische Selbsterfahrung

Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats ist eine unabhängig von der Ausbildung absolvierte psychoanalytische Selbsterfahrung. Diese muss mindestens drei Jahre dauern und als Einzelanalyse oder psychoanalytische Psychotherapie erfolgen.

Lehrberatung

Auch die Lehrberatung zählt zur Selbsterfahrung. Die KandidatInnen lassen sich dabei zu eigenen Fragen und Schwierigkeiten im Umgang mit Kindern beraten und erleben die Methode aus persönlicher Perspektive. Voraussetzung ist ein enger alltagspädagogischer Kontakt mit einem Kind oder einer Gruppe, etwa durch eigene Kinder, Kinder aus der Familie, Kindergruppen oder Schulklassen.

Infant-Observation

Die Infant-Observation ist ebenfalls Teil der Selbsterfahrung. Die Teilnahme im vorgeschriebenen Ausmaß ist Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats.

Tätigkeit unter Supervision und Abschluss

Nach Abschluss der theoretischen Ausbildung und dem Nachweis aller zusätzlichen Qualifikationen erhalten die KandidatInnen ein Zeugnis, das zur Tätigkeit als psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterIn in Ausbildung unter Supervision berechtigt.

Nach Erfüllung aller Supervisionsauflagen und der Approbation der Abschlussarbeit verleiht die APP-Wien das endgültige Zertifikat. Mit diesem Abschluss ist die ordentliche Mitgliedschaft bei der APP-Wien verbunden.

Zielgruppe

Der Lehrgang richtet sich an PädagogInnen mit abgeschlossenem Bachelor- oder Masterstudium (oder gleichwertigem Abschluss), die sich im Studium oder darüber hinaus nachweislich mit Psychoanalyse und psychoanalytischer Pädagogik beschäftigt haben.

Auch PsychologInnen sowie AbsolventInnen des Studiengangs „Kinder- und familienzentrierte Soziale Arbeit“ der FH Campus Wien oder vergleichbarer Studien können sich bewerben, sofern entsprechende psychoanalytische Vorkenntnisse vorliegen. Diese prüft die APP-Wien im Einzelfall. Fehlendes Vorwissen kann in begründeten Fällen vor Beginn des Lehrgangs oder im ersten Ausbildungsjahr nachgeholt werden.

Aufnahmekriterien

  • abgeschlossenes Bachelor- oder Masterstudium der Bildungs- bzw. Erziehungswissenschaft oder eines vergleichbaren Studiengangs
  • psychoanalytischer oder psychoanalytisch-pädagogischer Schwerpunkt

Mehrsprachigkeit ist ausdrücklich erwünscht und stellt bei gleicher Qualifikation einen Vorteil dar (z. B. Arabisch, BKS, Farsi, Französisch, Russisch, Spanisch, Türkisch).

Ausbildungskosten

Die Kosten für den sechssemestrigen Theoriekurs betragen insgesamt € 11.880,– (€ 1.980,– pro Semester). Darin enthalten sind das wöchentliche Theorieseminar, alle Wochenend-Blöcke, Abendvorträge sowie das Literaturseminar.

Nicht enthalten sind die Kosten für Infant-Observation, Rorschach-Seminar, Supervision, Lehrberatung und psychoanalytische Selbsterfahrung.

Ausbildungsteam

Ausbildungsleitung
Univ.-Doz. Dr. Helmuth Figdor
Mag.a Tanja Kraushofer, MA

Das Lehrendenteam besteht aus psychoanalytisch-pädagogischen ErziehungsberaterInnen mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten sowie externen ExpertInnen aus angrenzenden Fachgebieten wie Psychiatrie oder Kinderheilkunde.

Bewerbung

Die Ausschreibung und das Bewerbungsformular stehen zum Download bereit. Bei Fragen wenden Sie sich bitte per E-Mail oder telefonisch an das Sekretariat der APP-Wien.