Lehrgang Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung


Die Arbeitsgemeinschaft Psychoanalytische Pädagogik bildet seit 1991 Psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterInnen aus. Durch die Ausbildung von qualifizierten ErziehungsberaterInnen möchte die APP-Wien einem hohen gesellschaftlichen Bedarf an Hilfe, Orientierung und Unterstützung von Eltern und professionellen PädagogInnen begegnen und einschlägig vorgebildeten, insbesondere mehrsprachigen Studierenden eine praxisorientierte postgraduale Höherqualifizierung anbieten. Es ist der Arbeitsgemeinschaft ein großes Anliegen, der kulturellen Vielfalt in Österreich Rechnung zu tragen und Familien aus unterschiedlichsten Herkunftsländern gut beraten und begleiten zu können. Darüber hinaus sollen interkultureller Austausch und Reflexion im Zuge des Ausbildungskurses für die stetige Weiterentwicklung des Beratungskonzeptes genutzt werden. Im Oktober 2021 startet der 8. Ausbildungslehrgang.

Psychoanalytisch-pädagogische Erziehungsberatung versteht sich als Praxisfeld angewandter Psychoanalyse: Ausgehend von einem psychoanalytischen Verständnis intra- und interpersoneller seelischer Prozesse lernen Psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterInnen, Eltern und professionellen PädagogInnen Unterstützung im Umgang und in der Beziehungsgestaltung mit Kindern zu geben, die insofern „pädagogisch“ ist, als sie sich vorrangig an den Entwicklungsinteressen des Kindes (etwa im Sinne Anna Freuds, E. Eriksons, D.W. Winnicotts) orientiert.

Das von Helmuth Figdor entwickelte „Wiener Konzept“ der Psychoanalytisch-pädagogischen Erziehungsberatung ist durch ein spezifisches methodisches Vorgehen charakterisiert. Eltern, ErzieherInnen und anderen PädagogInnen werden im Beratungsprozess pädagogische Haltungen und Orientierungen in einer Art und Weise vermittelt, die es ihnen ermöglicht, diese Haltungen auch anzunehmen und zu verinnerlichen, sowie in weiterer Folge ihr erzieherisches Handeln tatsächlich verändern zu können.

Psychoanalytisch-pädagogische ErziehungsberaterInnen unterscheiden sich in ihrer Tätigkeit von (Kinder-)PsychotherapeutInnen. Dennoch kann ihre Arbeit mitunter zu so bedeutsamen Veränderungen der inneren Haltungen von Eltern und ErzieherInnen führen, dass es dadurch zu „psychotherapeutischen Effekten“ bei den Kindern kommt.

Inhalte und Dauer des Lehrgangs

Der Lehrgang wird in einer geschlossenen Gruppe von maximal 12 TeilnehmerInnen geführt.

Der Lehrgang umfasst

  • den Theoriekurs inkl. Entwicklungspsychologie
  • das Literaturseminar
  • Rorschachkurs
  • Infant-Observation
  • Praktische Übungen und Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen (abhängig von den individuellen Vorerfahrungen)
  • Methodische Supervision
  • Balintgruppe
  • Einzelsupervision
  • Lehrberatung

Dauer

Die Dauer des Lehrgangs können die Teilnehmer/innen weitgehend selbst bestimmen. Die Tätigkeit „in Ausbildung unter Supervision“ (i.A.u.S.) kann im 4. Semester beantragt werden. Das endgültige Zertifikat kann nach 8 Semestern erworben werden. Die vorgesehene Maximalstudiendauer, innerhalb welcher alle Module absolviert und die Abschlussarbeit approbiert sein sollten, beträgt 14 Semester.

Methodische Supervision

Spätestens nach Abschluss des Theoriekurses wird eine ständige Supervisionsgruppe eingerichtet (eine Gruppeneinheit 14-tägig). Die Teilnahme ist über zwei Semester verpflichtend, darüber hinaus freiwillig.

Balintgruppe (Gegenübertragungs-Supervision)

Möglichst parallel, spätestens aber nach Absolvierung der zwei Pflichtsemester methodischer Supervision, ist eine mindestens zwei Semester lange Teilnahme an einer Balintgruppe verpflichtend (ebenfalls eine Gruppeneinheit 14-tägig).

Einzelsupervision

Die Einzelsupervision von zumindest zwei Erziehungsberatungsfällen ist verpflichtend. Einer dieser Fälle ist schriftlich zu dokumentieren und bildet die Grundlage der Abschlussarbeit.

Vorträge, Gruppen, Seminare

Darüber hinaus müssen die Kandidaten (mindestens)

  • 2 öffentliche Vorträge unter Supervision halten;
  • an einer Erziehungsberatungsgruppe oder einem Workshop als Co-LeiterIn teilnehmen;
  • je eine Erziehungsberatungsgruppe und ein Fortbildungsseminar unter Supervision leiten

Selbsterfahrung

Psychoanalytische Selbsterfahrung

Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats ist eine unabhängig von der Ausbildung absolvierte, mindestens drei Jahre dauernde psychoanalytische Selbsterfahrung in Form von Einzelanalyse bzw. psychoanalytischer Psychotherapie.

Lehrberatung

Auch die Lehrberatung ist eine Form von Selbsterfahrung. Indem sich KandidatInnen im Hinblick auf eigene Probleme im Umgang mit Kindern beraten lassen, erleben sie persönlich die Methode, die sie später anwenden werden. Für die Lehrberatung ist es erforderlich, dass die KandidatInnen mit einem Kind oder einer Gruppe relativ engen „alltagspädagogischen“ Kontakt haben. In Frage kommen z.B. eigene Kinder, Kinder aus der Verwandtschaft, Kindergruppen oder Schulklassen, wenn KandidatInnen als ErzieherInnen oder LehrerInnen tätig sind.

Infant-Observation

Auch die Infant-Observation zählt zur Selbsterfahrung. Die Teilnahme in der entsprechenden Mindeststudienzahl ist Voraussetzung für den Erwerb des Zertifikats.

Tätigkeit unter Supervision und Abschluss der Ausbildung

Nach Abschluss der theoretischen Ausbildung und dem Nachweis der zusätzlichen Qualifikationen erhalten die KandidatInnen ein Zeugnis, das sie zur Ausübung Psychoanalytisch-pädagogischer Erziehungsberatung in Ausbildung unter Supervision ermächtigt.

Nach Erbringung der Supervisions-Auflagen und der Approbation der Abschlussarbeit erfolgt die Verleihung des (endgültigen) Zertifikats zum/zur Psychoanalytisch-pädagogischen ErziehungsberaterIn. Mit dem Erwerb des Zertifikats ist die ordentliche Mitgliedschaft bei der APP-Wien verbunden.

Zielgruppe

Der Lehrgang ist als postgraduale Ausbildung für PädagogInnen (Masterstudium oder gleichwertiger Abschluss) konzipiert, die sich schon während ihres Studiums nachweislich mit Psychoanalyse und Psychoanalytischer Pädagogik beschäftigten. Bei der Anmeldung muss der Abschluss eines Master-Studiums während des Lehrgangs zumindest in Aussicht stehen. Darüber hinaus können sich PsychologInnen und AbsolventInnen des Studienganges “Kinder- und Familienzentrierte Soziale Arbeit” der FH Campus Wien bzw. AbsolventInnen einschlägiger Studien bewerben, sofern psychoanalytisches Wissen und psychoanalytisch-pädagogische Vorkenntnisse nachweisbar sind. Diese werden im Einzelfall geprüft.

Aufnahmekriterien

Abgeschlossenes Masterstudium oder Bachelorstudium Bildungswissenschaft mit psychoanalytisch-pädagogischem Schwerpunkt, wenn der Abschluss des Masterstudiums während der Laufzeit des Lehrgangs zugesichert werden kann sowie vergleichbare Studienrichtungen. Eine Mehrsprachigkeit der KandidatInnen wird ausdrücklich gewünscht und stellt bei gleicher Qualifikation einen Vorteil dar (wie z.B.: Arabisch, BKS, Farsi, Französisch, Russisch, Spanisch, Türkisch etc.).

Ausbildungskosten

Die Kosten für den 6-semestrigen Theoriekurs betragen € 11.880,- (€1.980,-/Semester) und umfassen das wöchentliche Theorieseminar, sämtliche Wochenend-Blöcke und Abendvorträge sowie das Literaturseminar. Kosten für die Infant-Observation, das Rorschach-Seminar, Supervision, Lehrberatung und psychoanalytische Selbsterfahrung sind nicht enthalten.

Das Ausbildungsteam

Ausbildungsleitung: Univ.-Doz. Dr. Helmuth Figdor, Mag.a Tanja Kraushofer, MA

Das weitere Team der Lehrenden setzt sich aus Psychoanalytisch-pädagogischen ErziehungsberaterInnen entsprechend ihrer inhaltlichen Spezialisierungen bzw. praktischen Erfahrungen und externen ExpertInnen aus Randgebieten der Erziehungsberatung (z.B. Psychiatrie, Kinderheilkunde) zusammen.

Bewerbung

Hier finden Sie die Ausschreibung inklusive Bewerbungsformular zum Ausdrucken.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte per E-Mail oder telefonisch an das Sekretariat der APP.

Der nächste Lehrgang beginnt im WS 21/22. Voranmeldungen bzw. Vorgespräche sind ab jetzt möglich.

APP - Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalytische Pädagogik

Grundsteing. 13/2-4, A-1160 Wien, Tel.: +43/1 403 01 60, info@app-wien.at

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